Ausgewählte Pflanzengattungen und -arten der Streuobstwiese, mit denen Sie auch den Bienen eine Freude bereiten


Der Begriff „Streuobstwiese“ beinhaltet im Grunde nur, dass Obstbäume im Grünland stehen. Der Unterwuchs einer Streuobstwiese könnte – wie meistens der Fall – einer Fettwiese, aber auch einer Magerwiese/-weide oder einem Halbtrockenrasen entsprechen. Der Standort könnte feucht oder trocken sein, im Extremfall handelt es sich um eine Neuanlage auf Ackerstandort. Beachten Sie also in jedem Fall die Standortbedingungen Ihrer Wiese (Bodentyp und -art, Nährstoff-, Feuchtigkeits-, und Lichtverhältnisse, Relief).

Je nach Standort und Pflanzengesellschaft sind bestimmte Pflanzen charakteristisch. Das heißt, es macht auch nur Sinn, entsprechende Arten zu etablieren, wenn davon auszugehen ist, dass die vorhandene Pflanzengemeinschaft noch nicht gesättigt ist, z. B. weil vorangegangene Nutzungsformen zu einer Artenverarmung geführt haben. Wenn die Bedingungen vor Ort nicht zu einer bestimmten Pflanzenart passen, dann kann man diese Pflanzen dort auch nicht ansiedeln, z.B. wenn Magerkeitszeiger in eine Fettwiese gesät werden oder weil die Arten keine Mahd vertragen.


Es macht auch einen großen Unterschied, ob eine Wiese neu angelegt wird oder ob in den bestehenden Unterwuchs weitere Arten integriert werden sollen; letzteres ist schwierig aufgrund der bestehenden Konkurrenz der vorhandenen Vegetationsdecke. Generell ist es viel einfacher, die häufigen und anspruchslosen Pflanzenarten zu fördern (die sind aber mitunter bereits vorhanden), als seltene Arten mit enger Standortamplitude.

Besonders wichtig ist eine abgestimmte Pflege, die die standorttypischen Pflanzen und Tierarten fördert. Die Pflanzenfamilien Schmetterlingsblütler (Lamiaceen), Korbblütler (Asteraceen) und die Lippenblütler (Lamiaceen) beinhalten besonders viele wertvolle Pollenquellen für Wildbienen.

Foto: Klaus Kuttig


Auf diese Blühpflanzen fliegen Bienen


Ferkelkraut (Hypochaeris)  
 
eher bodensaure Standorte (H. radicata, oft auf Sand bzw. Sandstein)

Flockenblume (Centaurea)

Von den heimischen Flockenblumen tritt die Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) am häufigsten auf. Alle Flockenblumenarten sind bei Wildbienen als Pollenquelle beliebt. Aufgrund ihrer Schnittverträglichkeit sind sie in der Lage, nach einer Mahd nachzublühen, wodurch sich die Blütezeit nutzungsbedingt verlängern kann.

Glockenblumen (Campanula)   
alle Arten sind wertvoll für zahlreiche Wildbienen, auch etliche Spezialisten

Habichtskraut (Hieracium)   
sehr artenreiche Pflanzengattung, meist Magerkeitszeiger, auch für im Blütenbesuch spezialisierte (also oligolektische) Wildbienenarten geeignet

Hauhechel (Ononis)       
wertvoll besonders für Blattschneiderbienen, aber auch für andere Gattungen

Hornklee (Lotus)       
eine der wertvollsten Wildbienenpflanzen, aber auf die Wildform achten, nicht die Zuchtform der Straßenrandbegrünung verwenden

Kratzdisteln (Cirsium)  
     
Disteln sind wertvoll, teils in Flächen aber als „Unkraut“ problematisch, insbesondere die Acker-Kratzdistel Cirsium arvense. Andere Arten der Gattungen Cirsium, Carduus, Onoporduum sind wertvoller Bestandteil in Ruderalfluren, eher „Weideunkräuter“, mahdunverträglich. Fördern bei den Wildbienen diverse Spezialisten, Hummeln

Natternkopf (Echium vulgare)        
auf warmen Trockenstandorten, meist ruderal oder felsig

Pippau (Crepis)
auf eher ruderalisierten Standorten

Platterbse (Lathyrus)   
wertvolle Pollenquellen für Spezialisten, aber auch polylektische (also in ihren Pollenquellen generalistische, nicht auf bestimmte Pflanzengattungen spezialisierte) Arten, beliebt bei Hummeln

Rainfarn (Tanacetum vulgare)       
sehr wertvolle Nahrungspflanze für diverse Seiden- und Sandbienen u.a., in sandigen Ruderalbrachen oft dominant, mahdunverträglich

Rotklee (Trifolium pratense)       
auch bei Hummeln sehr beliebt, auf die Wildform achten

Skabiosen (Skabiosa)       
durchweg Trockenrasenarten, nicht für nährstoffreiche Wiese geeignet

Wegwarte (Cichorium)
auf eher ruderalisierten Standorten

Wicke (Vicia)
wertvolle Pollenquellen für Spezialisten, aber auch polylektische Arten

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)   
beliebt bei Hummeln, aber auch solitären Arten

Wilde Möhre (Daucus carota) und andere Doldenblütler  
     
u.a. kleine oligolektische Sandbienenarten, leicht anzusäen, aber meist schon vorhanden


Witwenblume (Knautia)   
Sehr beliebte Pollen- und Nektarquelle für poly- und oligolektische Wildbienenarten, Magerkeitszeiger in Wiesen und Weiden, mahdverträglich. Auf trockeneren Stellen die Acker-Witwenblume verwenden (Knautia arvensis).

Thomas Fechtler, Luisa Stemmler
Projekt „Netzwerk Wildbienenschutz in Niedersachsen“